Weiße Weihnacht | antetanni erzählt

Es schneit…

Beim Aufräumen der Festplatte bin ich auf einen Text gestoßen, der vor vielen vielen Jahren bei uns im Büro die Runde machte. Ich habe mich beim Lesen beömmelt. Und da es im Moment zu schneien begonnen hat, dachte ich, diesen Spaß teile ich doch gleich einmal. Ich hoffe, es sind nicht mehr allzu viele Tippfehler drin, ich hatte nur eine „lumpige PDF-Kopie“, die ich erst wieder in Text umwandeln lassen musste, dabei entstanden teilweise auch ganz witzige Wörter… Egal, los geht’s…

Weiße Weihnacht

8. Dezember 18:00

Es hat angefangen zu schneien. Dar erste Schnee in diesem Jahr. Meine Frau und ich haben unsere Cocktails genommen und stundenlang am Fenster gesessen und zugesehen wie riesige, weiße Flocken vom Himmel herunter schwebten. Es sah aus wie im Märchen. So romantisch – wir fühlten uns wie frisch verheiratet. Ich liebe Schnee.

9. Dezember

Als wir wach wurden, hatte eine riesige, wunderschöne Decke aus weißem Schnee jeden Zentimeter der Landschaft zugedeckt. Was für ein phantastischer Anblick! Kann es einen schöneren Platz auf der Welt geben? Hierher zu ziehen war die beste Idee, die ich je in meinem Leben hatte.

Habe zum ersten Mal seit Jahren wieder Schnee geschaufelt und fühlte mich wieder wie ein kleiner Junge. Habe die Einfahrt und den Bürgersteig freigeschaufelt. Heute Nachmittag kam der Schneepflug vorbei und hat den Bürgersteig und die Einfahrt wieder zugeschoben, also holte ich die Schaufel wieder raus. Was für ein tolles Leben!

12. Dezember

Dia Sonne hat unseren ganzen schönen Schnee geschmolzen. Was für eine Enttäuschung. Mein Nachbar sagt, dass ich mir keine Sorgen machen soll, wir werden definitiv eine weiße Weihnacht haben. Kein Schnee zu Weihnachten wäre schrecklich. Andreas sagt, dass wir bis zum Jahresende so viel Schnee haben werden, dass ich nie wieder Schnee sehen will. Ich glaube nicht, dass das möglich ist. Andreas ist sehr nett, ich bin froh, dass er unser Nachbar ist.

14. Dezember

Schnee, wundervoller Schnee. 30 cm letzte Nacht. Die Temperatur ist auf minus 20 Grad gesunken. Die Kälte lässt alles glitzern. Der Wind nahm mir den Atem, aber ich habe mich beim Schaufeln aufgewärmt. DAS ist das Leben!

Der Schneepflug kam heute Nachmittag zurück und hat wieder alles zugeschoben. Mir war nicht klar, dass ich so viel würde schaufeln müssen, aber so komme ich wieder in Form. Wünschte, ich würde nicht so pusten und schnaufen.

15. Dezember

60 cm Vorhersage. Habe meinen Kombi verscheuert und einen Jeep gekauft. Und Winterreifen für das Auto meiner Frau und zwei Extra-Schaufeln. Habe den Kühlschrank aufgefüllt. Meine Frau will einen Holzofen, falls der Strom ausfällt. Das ist lächerlich, schließlich sind wir nicht in Alaska.

16. Dezember

Eissturm heute Morgen. Bin in der Einfahrt auf den Arsch gefallen, als ich Salz streuen wollte. Tut höllisch weh. Meine Frau hat eine Stunde gelacht. Das finde ich ziemlich grausam.

17. Dezember

Immer noch weit unter Null. Die Straßen sind zu vereist, um irgendwohin zu kommen. Der Strom war 5 Stunden weg. Musste mich in Decken wickeln, um nicht zu erfrieren. Kein Fernseher. Nichts zu tun als meine Frau anzustarren und zu versuchen, sie zu irritieren. Glaube, wir hätten einen Holzofen kaufen sollen, würde das aber nie zugeben. Ich hasse es, wenn sie Recht hat! Ich hasse es, in meinem eigenen Wohnzimmer zu erfrieren!

20. Dezember

Der Strom ist wieder da, aber noch mal 40 cm von dem verdammten Zeug letzte Nacht! Noch mehr schaufeln. Hat den ganzen Tag gedauert. Der beschissene Schneepflug kam zweimal vorbei. Habe versucht, eines der Nachbarskinder zum Schaufeln zu überreden. Aber die sagen, sie hätten keine Zeit, weil sie Hockey spielen müssen. lch glaube, dass die lügen.

Wollte eine Schneefräse im Baumarkt kaufen. Die hatten keine mehr. Kriegen erst im März wieder welche rein. Ich glaube, dass die lügen.

Andreas sagt, dass ich schaufeln muss oder die Stadt macht es und schickt mir die Rechnung. Ich glaube, dass er lügt.

22. Dezember

Andreas hatte recht mit weißer Weihnacht, weil heute Nacht noch einmal 30 cm von dem weißen Zeug gefallen ist und es ist so kalt, dass es bis August nicht schmelzen wird. Es hat 45 Minuten gedauert, bis ich fertig angezogen war zum Schaufeln und dann musste ich pinkeln.

Als ich mich schließlich ausgezogen, gepinkelt und wieder angezogen hatte, war ich zu müde zum Schaufeln. Habe versucht für den Rest des Winters Andreas anzuheuern, der eine Schneefräse an seinem Lastwagen hat, aber er sagt, dass er zu viel zu tun hat. Ich glaube, dass der Wichser lügt.

23. Dezember

Nur 10 cm Schnee heute. Und es hat sich auf 0 Grad erwärmt Meine Frau wollte, dass ich heute das Haus dekoriere. Ist die bekloppt? Ich habe keine Zeit, ich muss SCHAUFELN!!! Warum hat sie es mir nicht schon vor einem Monat gesagt? Sie sagt, sie hat, aber ich glaube, dass sie lügt.

24. Dezember

20 Zentimeter. Dar Schnee ist vom Schneepflug so fest zusammengeschoben, dass ich die Schaufel abgebrochen habe. Dachte ich kriege einen Herzanfall. Falls ich jemals den Arsch kriege, der den Schneepflug fährt, ziehe ich ihn an seinen Eiern durch den Schnee. Ich weiß genau, dass er sich hinter der Ecke versteckt und wartet bis ich mit dem Schaufeln fertig bin. Und dann kommt er mit 150 km/h die Straße runtergerast und wirft tonnenweise Schnee auf die Stelle, wo ich gerade war. Heute Nacht wollte meine Frau mit mir Weihnachtslieder singen und Geschenke auspacken, aber ich hatte keine Zeit. Musste nach dem Schneepflug Ausschau halten.

25. Dezember

Frohe Weihnachten. 60 Zentimeter mehr von der 1•?#@$.

Eingeschneit. Der Gedanke an Schneeschaufeln lässt mein Blut kochen. Gott, ich hasse Schnee! Dann kam der Schneepflugfahrer vorbei und hat nach einer Spende gefragt. Ich hab‘ ihm meine Schaufel über den Kopf gezogen. Meine Frau sagt, dass ich schlechte Manieren habe. Ich glaube, dass sie eine ldiotin ist. Wenn ich mir noch einmal Wolfgang Petry anhören muss, werde ich sie umbringen.

26. Dezember

lmmer noch eingeschneit. Warum um alles in der Welt sind wir hierher gezogen? Es war alles IHRE Idee. Sie geht mir echt auf die Nerven.

27. Dezember

Die Temperatur ist auf minus 30 Grad gefallen und die Wasserrohre sind eingefroren.

29. Dezember

Es hat sich auf 5 Grad erwärmt. lmmer noch eingeschneit. DIE ALTE MACHT MICH VERRÜCKT!!!

29. Dezember

Noch mal 30 Zentimeter. Andreas sagt, dass ich das Dach freischaufeln muss, oder es wird einstürzen. Das ist das Dämlichste was ich je gehört habe. Für wie blöd hält der mich eigentlich?

30. Dezember

Das Dach ist eingestürzt. Der Schneepflugfahrer verklagt mich auf 50.000 DM Schmerzensgeld. Meine Frau ist zu ihrer Mutter gefahren. 25 Zentimeter vorhergesagt.

31. Dezember

Habe den Rest vom Haus angesteckt. Nie mehr Schaufeln.

8. Januar

Mir geht es gut. Ich mag die kleinen Pillen, die mir andauernd geben. Warum bin ich an das Bett gefesselt?


Und weil die Geschichte so witzig ist, verlinke ich sie gleich auch noch zu den →
Weihnachtsfreuden. 😀

18 Gedanken zu „Weiße Weihnacht | antetanni erzählt

  1. Avatar von ValomeaValomea

    Herrlich, liebe Anni! Ich habe auch gelacht – kann ich ja auch: hier schneit es nämlich NIE! *grins*
    Außer vielleicht letzten Februar, da haben schon die einmaligen 50 Zentimeter dazu geführt, dass nix mehr ging… sind wir einfach nicht gewöhnt.
    Ich komme dann gern mal eine Woche schaufeln!
    LG
    Elke

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    1. Avatar von antetanniantetanni Autor

      Gell, herrlich! Hier hat es schon wieder aufgehört mit Schneien und viel liegen geblieben ist auch nicht. Aber frag nicht, wie die Leute Autofahren, als wären wir im Hochgebirge… 😉
      Au ja, ich freue mich, wenn du mal auf eine Woche vorbeikommst, musst auch nicht schaufeln, wir bekommen die Zeit auch so rum.
      Herzensgrüße
      Anni

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  2. Pingback: Weihnachtskarten-Bloghop | antetanni freut sich | antetanni

  3. Avatar von KarinKarin

    Eine geniale Geschichte 🙂
    Wir mußten dieses Jahr auch schon fest schaufeln, aber soviel Schnee haben wir nicht und wird es auch nicht werden. Dennoch ist zur Zeit noch alles schön weiß, die Straßen sind schon wieder frei und es bleibt hoffentlich kalt und weiß!!!
    Alles liebe Karin

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    1. Avatar von antetanniantetanni Autor

      Großartig, oder? Ich komme aus dem Lachen gar nicht mehr heraus und freue mich wie Bolle, dass ich die Geschichte auf meinem Rechner wiedergefunden habe. Ein herrlicher Spaß, der sich auch lohnt, im Kreise der Lieben die Tage vorgetragen zu werden. Da ist für Lacher gesorgt. 😀

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  4. Avatar von GabiGabi

    Genial 🙂 einfach herrlich !!
    ….ein ganz bisschen Schnee würd ich mir schon wünschen….hier im Norden….oder sollte ich mit dem Wünschen vorsichtig sein….hahahahaha
    Fühl dich ganz lieb umärmelt
    Gabi

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  5. Avatar von nealichnealich

    ❄❄❄ was Du so alles findest… herrlich 😅 bis jetzt war es gut zu schaffen, schön anzuschauen und die Schneeschaufel noch in Ordnung, noch…
    Hab einen feinen Sonntag und bis bald wieder 🙋‍♀️ Katrin

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    1. Avatar von antetanniantetanni Autor

      So ging es mir auch, der Text geisterte vor Jahren, wahrscheinlich sind es schon zwei Jahrzehnte – jesses – bei uns durch die Büros. Bei der Wiederentdeckung jetzt auf meinem Rechner habe ich mich wieder beömmelt. Eigentlich jedes Jahr ein Knaller. 😀

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  6. Avatar von sylvieb61sylvieb61

    Eine lustige Geschichte, liebe Anni, aber auch ganz schön makaber. Ich erinnere mich an den Winter 78/79. Da hatten wir in Schleswig-Holstein „Schneekatastrophe“. Die Regal sind den damals noch kleinen Supermärkten waren leer. Es gab keine Schneeschieber mehr. Alte Leute kamen nicht mehr aus der ihren Wohnungen. Es gab Fahrverbote, logischer Weise. Was sonst noch so alles passierte, ich kann mich nicht erinnern. Wir wurden aber auch nicht von Früh bis Spät von dem Medien zugelabert.
    Für uns war damals leider nach einer Woche der Spaß schon wieder vorbei.
    Liebe Grüße
    Silvia

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    1. Avatar von antetanniantetanni Autor

      Ach, ich finde, man darf auch mal lachen, ohne immer gleich an das Schlimmste zu denken. An den Winter 78/79 erinnere ich mich auch, ich war noch klein und erinnere mich an jede Menge Schnee und damals einen Stromausfall bei uns in der Straße mit der Folge, dass wir auch keine Heizung hatten und es eine Weile dauerte, bis alles wieder funktionierte. Jesses aber auch. Heute wäre das eine „Stromkatastrophe“ in den Medien, auch wenn nur vier oder fünf Häuser betroffen waren und nach vermutlich zwei, maximal drei Stunden oder so alles wieder okay war.
      Liebe Grüße
      Anni

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